Pay2Win – Wer verliert?

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Endlich ist es da! Das MMORPG der nächsten Generation. Für Desktop und für Mobile – 350.000 Stunden Online-Spaß garantiert.

Aufbauen, Ausrüsten, Aufwerten – bis der Arzt kommt. Für den nächsten Level „nur noch“ 10.000 Punkte – dann bin ich ganz weit vorne.

Oh – schon 25 Uhr – okay – dann ein paar Rubine (alternativ Gold, Juwelen, Diamanten, Funds, Tränke, Pilze, Kristalle, etc.) eingeworfen, dann krieg ich das gleich noch fertig, ich muss ja früh aufstehen. Oh – hab ich nicht?!

Dann schnell in den App-/Online-Shop und dort die entsprechende InGame-Währung erstanden. Bezahlung klappt reibungslos per PaySafe (ich will ja nix von mir preisgeben), oder per PayPal, oder per Handy-Rechnung. Die 4,55 € hält die Handy-Rechnung diesen Monat noch locker aus: ist ja auch gerade erst der 5. Februar…

Und dann hab ich es geschafft! Level 17 – die meisten sind gerade mal Level 14.
Ha – ich bin der Größte!

Im übrigen hab ich mir die „große Packung“ gekauft – für 9,95€ – war „best value“ – dann hab ich noch Reserve!

Was heißt eigentlich „große Packung“? Da gibt es „eine Hand voll“, „einen Sack voll“, „eine Kiste“ und „Unmengen von…“ – ich hab mich für „Unmengen von…“ entschieden; wenn ich was mache, dann mach ich das richtig!

Kennt Ihr das?! Wahrscheinlich…

Das ist latürnich ganz natürlich – jedenfalls bei Spielen/Apps derzeit in den einschlägigen Stores. Und es scheint akzeptiert zu sein: „Man muss ja kein Geld ausgeben!“ ist das entsprechende Argument.

Ein Beispiel eines InApp-Shop (Quelle: Deep Town)

Die eine Seite

Spielen macht doch Spaß wegen des Spielens. So denke ich. Auf spielerische Weise misst man sich mit anderen Personen. Das kann man mittlerweile weltweit – so die Idee der MMORPGs – und genau das ist der Reiz an der ganzen Sache.

Aber es wird schräg, wenn man trotz 24/7 Dauerspielens plötzlich von anderen überholt wird.

Die erste Einschätzung: Da mach ich offensichtlich bei den strategischen Entscheidungen einiges falsch.
Okay – dann gehöre ich auch ans Ende der Highscore-Liste – shame on me!

Oder auch nicht:
Ich werde von Spielern überholt, die ein dickeres Konto haben – das ist wörtlich gemeint: Sei es „elternfinanziert“ oder „omafinanziert“ oder „egalfinanziert“. Drei super Adjektive!
Was klar sein muss: Mit diesen Spielern kann man keine Skills vergleichen!

Woher kommt das?

Leistung erkaufen ist definitiv einfacher als Leistung zu erbringen. Soviel steht fest.

Negativer Nebeneffekt: „Über anderen“ in der Spiel-Rangliste zu stehen wird von einigen Spielern tatsächlich gleich bewertet mit einer nicht vorhandenen Lebens-Rangliste!
Vice versa ist das aber auch gleichzeitig die Motivation für Pay2Win.

Die andere Seite

Die Spiele/App-Hersteller wissen und kennen das genau. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass sie das ausnutzen; lediglich bieten sie es an. Das Argument ist bezeichnenderweise das selbe wie oben: „Man muss ja kein Geld ausgeben!“

Spiele/Apps, speziell MMORPGs, werden genau so finanziert: durch eine Menge an Spielern, die ein paar wenige Euro ausgeben.

Das Software-Unternehmen muss zwingend Geld einnehmen! Glücklicherweise ist das allen Beteiligten auch klar.

Ich habe Geld für MMORPGs ausgegeben

  • um in der Highscore-Liste weiter vorne zu sein
  • um andere Personen/meine Gilde zu beeindrucken, wie cool ich bin (<- Begründung austauschbar)
  • um mal Nachts meine Ruhe zu haben und den nächsten Quest automatisch zu starten
  • um ein anderes Mitglied meiner Gilde/Allianz zu unterstützen (Motivation: da greift dann einer der oberen Punkte)

Wer verliert?

Im Grund verlieren alle Spieler, da sich der eigentliche Skill nicht vergleichen lässt, d. h. wer ist wie gut in welchen Spiel-Situationen.

Da fragt es sich…

…warum gibt es eigentlich kein MMORPG ohne Pay2Win? Könnte ein Software-Unternehmen mit so einem Angebot trotzdem Geld verdienen?!

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